FAQ: Radfahren in Jena
Autor: Thomas Wedekind, Webmaster ADFC Jena
Überarbeitungsstand: Juli 2010
Diese Seite richtet sich vor allem an Neu- oder Wiedereinsteiger in den Radverkehr unserer Stadt.
Sind Sie als regelmäßiger Radfahrer neu zugezogen, planen Sie einen Umzug nach Jena, oder wollen Sie
als bisheriger Kfz-, Bahn-, Busbenutzer oder Fußgänger etwas für Ihre Fitness tun, den hohen Preisen für Kraftstoff oder öffentlichen Verkehr entkommen und manchmal schneller
vorankommen als bisher? Dann sind Sie hier richtig.
Die Seite wird hin und wieder nach aktuellen Erkenntnissen überarbeitet.
Copyright: Die nicht kommerzielle Verbreitung, Zitierung, Weiterverwendung des Textes, einzelner Teile oder Aussagen daraus ist mit Quellenangabe gestattet.
Der Autor ist in solchen Fällen für eine kurze Nachricht an jena@adfc-thueringen.de dankbar, ebenso für Korrekturen oder Ergänzungen.
Hinweis: Die hier dargestellten Fakten beruhen auf eigener Recherche oder Erfahrung des Autors bzw. von als zuverlässig
anzusehenden Informanten, können jedoch im Einzelfall vom wirklichen Zustand abweichen. Hinweise, Ratschläge und politische Aussagen stellen die persönliche Meinung des
Autors dar.
1. Kann man in dieser bergigen Landschaft überhaupt Rad fahren?
2. Welches Fahrrad?
3. Kann ich in Jena sicher Rad fahren?
4. Raddiebstahl, Fahrradcodierung
5. Mit dem Rennrad
6. Mountainbiken in/um Jena
7. Radfahren mit Kindern
8. Kann ich mein Rad in Jenaer Bahnen und Bussen mitnehmen?
9. Als Fernradler in Jena
10. Radtouren/-routen um Jena (allgemein)
11. Kartenmaterial, Routenplaner, Wegweisung
12. "Fahrradklima", Polizei, Autofahrer
13. Radverleih, Radvermietung
14. Gibt es eine Selbsthilfewerkstatt?
15. Radweg "Thüringer Städtekette", Radtour Weimar – Jena – Gera usw.
16. Woher bekomme ich eine Übersicht über die Radwanderwege im Saale-Holzland-Kreis?
17. Ich hätte gern Vorschläge für Radtouren um Jena.
18. Bezugsquellen für gebrauchte Fahrräder, "Studentenfahrräder"
19. Wer oder was ist die AG Radverkehr Jena?
20. Zeittafel zur Verkehrspolitik
1. Kann man in dieser bergigen Landschaft überhaupt Rad fahren?
Man kann, teilweise sehr gut; die Freude am Fahren hängt aber stark von der eigenen Kondition,
Ihrem Fahrrad und der Lage Ihres Wohn- und Arbeitsortes in der Stadt ab.
Schauen wir uns die Topographie an: Die flache Saaleaue verläuft rund 15 km lang durch die
Stadt. Ausläufer davon ziehen noch nach Westen zum Mühltal und nach Osten zur alten Ortslage Wenigenjena.
Wer absolut keine Steigungen mag, muss seine Aktivitäten per Rad im Wesentlichen auf die Gebiete entlang der
Saale, die Innenstadt, die Wohngebiete zwischen Dornburger und Camburger Straße bis Löbstedt und Zwätzen im Norden,
um Damm- und Tümplingstraße im Osten,
zwischen Luther- und August- Bebel- Straße im Westen und die Ernst- Abbe-
Siedlung beschränken. Dies ist schon ein ziemlich großer Teil der Stadt, aber das Schönste fehlt. Trainieren Sie
also Kondition!
Mäßig lange oder steile Steigungen findet man z.B. auf dem Weg in die Ortsteile Ammerbach, Winzerla,
Wogau, Lobeda-West /-Ost. "Schärfere Kanten" führen von der Innenstadt zum Industriegebiet Zeiss bzw. zur FH,
zum Ziegenhainer Tal oder in die Altstadt Lobeda, und knackige Steigungen von 15 bis 20% müssen Sie nach
Cospeda, in Gebiete über Magdelstieg und Philosophenweg oder unter der Wilhelmshöhe überwinden. Diese Straßen
sind schon etwas für Spezialisten. Viele nehmen aber diese Herausforderung an.
2. Welches Fahrrad?
Nach Lektüre von Punkt 1 wissen Sie: Von längeren ebenen Strecken bis zu extremen Steigungen ist
in Jena jedes Höhenprofil zu finden. Damit ist die Frage nach dem Fahrrad vor allem eine Frage der
Gangschaltung. Der Autor dieser Seite möchte Steigungen bis 15% im Sitzen bewältigen und kommt deshalb nicht
ohne 1:1-Übersetzung aus. Können Sie steile Berge auch mal hinauf schieben, reicht
in Jena eine Nabenschaltung mit mindestens 5 Gängen, ggf. mit 22er Zahnkranz bergtauglich gemacht.
Wer wirklich jede Ecke der Stadt fahrend erreichen will, braucht den größten Übersetzungsumfang, der am Markt erhältlich ist,
oder Extras wie Mountain-Drive. (Beachte dazu Pkt. 4, leider.)
Ohne physische Ausdauer nützt Ihnen die tollste Technik
jedoch wenig. Man muss nicht gleich Jägerberg, Jenzig frontal, Cospedaer Grund oder die Strecke von der Paradiesbrücke zum
Steinkreuz (230 m Steigung auf knapp 4 km Strecke) fahren wollen; fangen Sie ruhig zwei Nummern kleiner an. – Wer einmal oben ist, will auch wieder herunter. Ohne wirklich gute Bremsen geht das nicht, diesen ist daher enorme Beachtung zu schenken. Die mit dem Unvermögen einiger Radfahrer,
in Extremsituationen ausreichend zu bremsen, begründete langjährige Sperrung des oberen Burgwegs (> 25% Gefälle, schmale Straße) für Radfahrer talwärts habe ich 2009 nicht mehr vorgefunden.
3. Kann ich in Jena sicher Rad fahren?
Zu allererst: Sicherheit ist in Bezug auf persönliche und öffentliche Wahrnehmung äußerst
subjektiv, lässt sich aber auch objektiv (in Form der Unfallstatistik) messen. Wie sieht es
in der einen und anderen Hinsicht in Jena aus?
Objektive Betrachtungen scheiterten lange an den von der Polizei offenbar mangelhaft erhobenen bzw. kaum veröffentlichten Daten; beides verbesserte sich in den letzten Jahren.
Jedoch zeigt die Statistik seit Jahren wesentlich mehr Unfälle mit Radlerbeteiligung, als in der Presse bekannt werden.
Anerkannte Unfallschwerpunkte Rad <-> Kfz sind z.Z. die Einmündungen Camburger/ Altenburger Str. und an der Wiesenstraße (besonders Löbstedt-"Am Steinbach"), und die größte Jenaer Straßenkreuzung Lobedaer/ Keßlerstr. in Burgau;
alles Neuanlagen der 90er Jahre mit Bordsteinradwegen (damals von der Stadtverwaltung als besonders sicher propagiert) samt deren bestens erforschten grundsätzlichen Nachteilen. Weitere Unfälle geschehen ab und an überall in Jena
mit allen denkbaren Ursachen und meist tolerierbaren Folgen, wohl wegen der oft durch hohe Verkehrsdichte erzwungenen bescheidenen Geschwindigkeit der Beteiligten.
Leider sind die "Alleinunfälle" (Stürze ohne Einwirkung anderer Verkehrsteilnehmer) ein deutlicher Teil des Unfallgeschehens, nach der Beutenbike-Studie von 2009 über ein Drittel aller Unfälle. Sie beruhen vor allem auf
(oft wetterbedingt) schlechten Fahrbahnverhältnissen und deren Fehleinschätzung. Dagegen hilft wohl nur Erfahrung und Besonnenheit.
Zum subjektiven Sicherheitsempfinden:
Der subjektive Eindruck von Sicherheit (der oft im Widerspruch zu den wirklichen Unfallzahlen steht), ist je nach Person des Radlers an ein und derselben Stelle ggf. grundverschieden. Aktive Radfahrer, Alltags- und Vielfahrer erachten das Radfahren i.d.R. für (viel) sicherer als Nicht-Radfahrer, Gelegenheits- oder Wenigfahrer
(dazu gibt es Untersuchungen). Ein und dieselbe Infrastruktur wird von Radfahrern, je nachdem zu welcher Gruppe sie gehören, gelobt oder geschmäht. Was können Sie in Jena erwarten?
• ein kleines, enges Stadtzentrum mit dichtem Verkehr, für alle stressig, wegen des erzwungenermaßen geringen Tempos gibt es aber
kaum Unfälle. Viele Freiheiten für Radfahrer – es bleibt Ihnen überlassen, ob Sie sich durch Auto- oder Fußgängerkolonnen schlängeln wollen. Cool bleiben!
• ein ausgedehntes Wegenetz in der Saaleaue unabhängig von Straßen: z.B. zwischen der Paradiesbrücke und dem Ortsausgang bei Lobeda; auch der Lommerweg in Jena-West gehört in diese Kategorie.
Schnelle Radler sind von diesen Wegen oft nicht begeistert, obwohl Autos als Belästigungsfaktor meist entfallen; dafür gibt es Jogger, Skater, Nordic Walker, "normale" Fußgänger, herumquirlende
Kleinkinder (Vorsicht!!), andere sicher und unsicher (!) fahrende Radler.
Langsame/ unsichere Radfahrer fühlen sich auf diesen Strecken im Paradies (nicht nur im gleichnamigen Flurstück, das von ebensolchen
Wegen durchzogen ist). Friedliche Koexistenz ist hier gefragt; Sie dürfen Ihre Mitbürger aber durchaus ermahnen, dass der Weg nicht ihnen allein gehört.
• "einfache" Straßen ohne besondere Führung des Radverkehrs oder mit auf der Fahrbahn markierten Radstreifen; meist im Jenaer Norden, Osten und Westen. Beispiele: Winzerlaer,
Dornburger, Naumburger, Karl- Liebknecht-, Löbstedter, Hermann-Löns- Str., "Am Planetarium", Magdelstieg, Lutherstr. Erfahrene Radler schätzen diese Straßen wegen guter Übersicht und geringen Unfallrisikos,
selbst bei dichtem Verkehr (einige 30 km/h- Strecken verbessern noch die Sicherheit). Unerfahrene und Ängstliche (auch Politiker und Verbände ohne ausreichende Sachkenntnis) hassen sie dagegen und fordern
dort den Bau abgetrennter Radwege, was aber von den Platzverhältnissen i.d.R. unmöglich ist und die Unfallzahlen aller Erfahrung nach erhöhen würde. Meine Meinung: Lernen Sie Verkehrsregeln und
die solide Beherrschung Ihres Rades und wagen Sie sich auf die Fahrbahnen, außer vielleicht mit selbst fahrenden Kleinkindern. Übung (ggf. an anderen Stellen in Jena) macht den Meister.
• Straßen mit seitlich abgesetzten Radwegen – meist bis 2002 erneuerte Hauptstraßen, wie Wiesenstr., Camburger Str. (bauliche Altlast), Fürstengraben, Rudolstädter, Lobedaer, früher Göschwitzer Straße. Auf der freien Strecke
sicher, aber erhebliche Konflikte mit Kfz an Kreuzungen und Einmündungen, manchmal polizeibekannte Unfallschwerpunkte. Tipp für solche Straßen: an Kreuzungen höchste Aufmerksamkeit; ggf. anderen Weg wählen, z.B. Löbstedter statt Wiesenstr., Dornburger
statt Camburger Str., Johannisstr. statt Fürstengraben, siehe "Streckennetz für Alltagsradfahrer".
• Straßen mit wahlweiser Fahrmöglichkeit auf Fahrbahn oder Gehweg: Brauchbarer Kompromiss, um sicheren und unsicheren Radlern die jeweils bevorzugte Fläche anzubieten,
wenn den Radfahrern die Wahlmöglichkeit bekannt ist (die Zeichenkombination "Gehweg/ Radfahrer frei" wird von 90% der Nutzer als Benutzungspflicht interpretiert). Problem: Die betreffenden Gehwege sind nicht für schnelles Fahren (was auch gar nicht erlaubt ist) ausgebaut, z.B. in Bezug auf die Sichtverhältnisse
an Kreuzungen, Hauseingängen, Grundstücksausfahrten. Schnellfahrer gehören hier i.d.R. auf die Fahrbahn.
• Tempo-30-Zonen in den Wohngebieten, Vorfahrtsregelung fast immer rechts vor links (beachten!).
Spezielle Sicherheitsfragen:
Umgang mit Straßenbahngleisen: Anlass für etliche Stürze ohne Fremdverschulden.
Die Sturzgefahr auf Gleisen nimmt mit höherem Tempo bzw. Reifendruck und schmaleren Reifen zu.
Für Neulinge: Kreuzen Sie Schienen fast rechtwinklig, ohne Schräglage und nicht
zu schnell – besonders bei Nässe oder aus der Straßendecke heraus ragender Schiene. Die JeNah ist bei der Instandhaltung in dieser Hinsicht recht "großzügig" und repariert die
Gleiskörper i.d.R. erst, wenn der Zustand für den Radverkehr schon jahrelang gefährdend ist. Bekannte Gefahrenstellen sind z.B.
die Abzweige Holzmarkt, Löbdergraben/ Steinweg, nahe der Nordschule, die Einmündung Dornburger/ Scharnhorststr. sowie in Löbstedt und Zwätzen. Ob Sie nach einem Unfall den
Schaden oder einen Teil davon auf die JeNah abwälzen können, müsste wohl im Einzelfall (vor Gericht?) geklärt werden
(die Problemstellen werden ja ab und zu repariert, aber i.d.R. zu selten bzw. nicht dauerhaft genug). Kontaktieren Sie bei
Bedarf die ADFC- Rechtsberatung für Mitglieder; wer lange in Jena Rad fährt, hat das Thema meist (nach den ersten Stürzen als
Kind) abgehakt. Übrigens: Bei Nässe oder Schneematsch kann man sich auch auf guten
Gleiskörpern (z.B. Steinweg, Weichen!) erstklassig "hinlegen", dagegen hilft nur Erfahrung und Übung.
Im Winter unbefahrbare Wege (vor allem Parkwege Richtung Burgau/ Lobeda): Der Winterdienst kommt dort erst nach Abarbeitung der anderen Touren und
arbeitet relativ sparsam. Bis dahin: Bei Glatteis/ hohem Schnee die Kahlaische, Rudolstädter, Lobedaer und Göschwitzer Str. benutzen. Sind straßenbegleitende Radwege (in diesen Straßen vorhanden) unpassierbar,
darf die Kfz-Fahrbahn benutzt werden. Die Stadtrodaer Str. hat keine solchen Radwege (im verkehrsrechtlichen Sinne), deshalb entfällt diese Regelung dort.
Wöllnitzer Str., Unterdorfstr. und der Weg "An der Riese" nach Lobeda dürften bei entsprechendem Wetter auch vereist sein (liegen im Winterdienstplan ganz hinten), sonst wären sie
eine Alternative.
Dornburger Straße, Nähe Nordschule. Zwischen den Einmündungen Clara-Zetkin- und Scharnhorststr. sind die in Straßenmitte liegenden Gleise mit abgerundeten Bordkanten abgetrennt,
die ein gefahrloses Überfahren mit dem Rad nur ganz langsam und im stumpfen Winkel zulassen. Parken ist zeitweise erlaubt; auch außer der erlaubten Zeit wird oft
StVO-widrig geparkt. Bei Vorbeifahrt an einem stehenden Pkw, an dem unachtsam eine linke Tür geöffnet wird (häufig vor der Nordschule und dem Pizzadienst gegenüber), sind Sie in der Falle:
Beim Ausweichversuch stürzen Sie zwangsläufig an der Längskante und werden möglicherweise noch von einer Straßenbahn überrollt – unschön. (Früher waren dort Halten und Parken rund um die Uhr
verboten, was sich als nicht praktikabel erwies; die Stadtverwaltung knickte gegenüber den Anwohnern ein – wie üblich unter Missachtung der Interessen des Radverkehrs, denn dazu hätte die Straße anders gebaut werden müssen.) Wie verhalten?
Auf dem Gleiskörper fahren (wie die Autofahrer): unproblematisch; bei parkendem Lkw ohnehin nötig. Vor Auffahrt auf den Bahnkörper lässt man eine von hinten kommende Bahn erst vorbei.
Taucht die Bahn später auf: weiter fahren und nach Passieren der Autos 'runter vom Gleis; alternativ: mindestens 30 km/h fahren (allgemeines Limit dort, auch für die Bahn).
Auf dem Gehweg fahren (auf Fußgänger achten!): Trotz offiziellem Verbot würde ich dies wegen des viel niedrigeren Risikos, schwer oder tödlich zu verunglücken, hier ausnahmsweise tolerieren.
Sehr langsam direkt am Pkw vorbei fahren: Nötig, wenn Sie "unten" fahren, weil bei Ihrer Ankunft niemand in der Straße parkte, aber plötzlich ein Auto vor Ihnen hält.
Bei 5 km/h können Sie vielleicht vor der sich öffnenden Tür noch bremsen, oder mit dem Arm hinlangen und sie wieder zudrücken (selbst schon gemacht).
In jedem Fall: Die problematische Sicherheitslage auf der genannten Strecke rechtfertigt m.E. eine ungewöhnlich "lockere" Auslegung der StVO durch die Radfahrer. Wenden Sie sich bei jeglichen Konflikten (z.B. mit
JeNah, Polizei oder Justiz) an den ADFC (ggf. unsere Rechtsberatung) oder an die AG Radverkehr (siehe unten).
Einmündung Mühlenstr./Kahlaische Str. (zeitweise Unfallschwerpunkt). Problem: Die Fahrbahn der Kahlaischen Str. besteht nur aus dem Gleiskörper, dazu dichter Autoverkehr. Der Gehweg darf (nur stadtauswärts) mit Schritttempo befahren werden; stadteinwärts
lässt mangelnde Sicht an der Einmündung Mühlenstr. keine Fahrt auf dem Gehweg zu. Andererseits gibt es stadteinwärts über 500 m keine Ausweichmöglichkeit vom Gleiskörper (Gehweg nur einseitig), Radfahrer können also §2 Abs.3 StVO (Gebot, in gleicher
Richtung fahrende Bahnen vorzulassen) nicht befolgen. Wie verhalten? Entweder trotzdem auf dem Gehweg fahren (im Einmündungsbereich Schritttempo, extrem aufmerksam!), oder nach Beobachtung der Verkehrslage bei der Straßenbahn die Fahrbahn benutzen;
wenn gerade eine Bahn gefahren ist, kommt die nächste meist erst in einigen Minuten. Bis dahin sollte die Engstelle (zügig) passiert sein. Auch stadtauswärts kann man kurz vor der Einmündung auf die Fahrbahn wechseln (Bordabsenkung gibt es), danach
wieder auf den Gehweg. Wer etwas Zeit hat, kann auf dem Burgauer Weg fahren, muss aber ggf. am Bahnübergang stehen.
4. Raddiebstahl, Fahrradcodierung
Das Diebstahlrisiko für Fahrräder ist in Jena hoch. Auswärtige Kriminelle stehlen offenbar gewerbsmäßig –
i.d.R. verschwinden an einem oder zwei Tagen pro Woche etliche hochwertige Räder gleichzeitig, während an den anderen
Tagen Ruhe herrscht. Eine Lkw-Besatzung wurde auch einmal beim systematischen "Aufsammeln" abgestellter Fahrräder beobachtet.
Die Chance des Wiederauffindens ist minimal. Anschließmöglichkeiten sind nicht flächendeckend vorhanden, vielen
Grundstückseigentümern ist das Problem gar nicht bewusst. Die Stadtverwaltung versucht in langwieriger
Kleinarbeit, öffentliche Flächen für Bügelständer aufzuspüren, kommt dabei aber nur langsam voran.
Andererseits fahren viele Radfahrer auf Grund der Jenaer Topographie technisch hochmoderne Räder.
Was also tun? Selbsthilfe und Überlegung sind gefragt.
Wer ein topaktuelles Rad oder "Kultkomponenten" hat, kommt im Einzelfall um die Suche vernünftiger An- oder Einschließmöglichkeiten am
Wohn-, Arbeits- oder Ausbildungsort nicht herum. Fahrradbegeisterte Zuzügler sollten ihr Wohnhaus
auch in Bezug auf halbwegs sichere Radabstellplätze aussuchen. (Leider bei dem angespannten
Jenaer Wohnungsmarkt schwierig, wenn man nicht selbst Hauseigentümer ist.) Sprechen Sie ggf. mit Ihrem Arbeitgeber über einen sicheren
Abstellplatz; es reicht ja, das Rad z.B. in ein Lager, Werkstatt o.ä. ohne Publikumsverkehr
einzuschließen (Technologieunternehmen sind hier oft aufgeschlossen.) Können Sie längeres unbeaufsichtigtes Abstellen Ihres Rades, ohne es
festzuschließen, nicht vermeiden, ist (leider) ein Fahrrad (oder Zweitrad) der vor- oder vorvorletzten
Generation günstig, das sich natürlich auch mit guter Gangschaltung ausrüsten lässt. Typische "Cityräder"
("uncoole" Bauarten) werden ebenfalls selten gestohlen.
Auch wenn es schon hundertmal gesagt wurde: Benutzen Sie ein zum Wert Ihres Fahrrades passendes Schloss.
Schon beobachtet: armdicker Anlehnbügel (Volksbad), mindestens 1000 Euro teures Rad, aber als Schloss
ein wenige Millimeter dickes Seilchen. Wem das Rad so abhanden kommt, dem ist nicht zu helfen... eine
alte Faustregel sagt: Das Schloss soll 10% vom Preis des Fahrrades kosten. – Teilediebstahl ist auch ein leidiges Thema;
besonders sollten hochwertige Sättel mit Schraubbolzen (nicht Schnellspanner) gesichert oder beim Verlassen des Fahrrads mitgenommen werden.
Im übrigen: Man liest auch immer wieder vom Verlust teurer Fahrräder durch
Einbruchdiebstahl aus gut gesicherten Räumen. Dass es sich dabei um Versicherungsbetrug handeln könnte,
darf zumindest manchmal vermutet werden.
Fahrradcodierung: Diese Abschreckungsmethode gegen Diebstahl wird z.Z. in Jena nur vom Codierteam der Polizeiinspektion (Leitung: Polizeiobermeister
Holger Krehan, Polizeiinspektion Jena, 07743 Jena, Am Anger 30, Tel./ Fax 03641 81 21 82 / 81 21 09, Mail holger.krehan.pdj@polizei.thueringen.de.) angeboten; in der Regel von
Mai bis September an einem Nachmittag im Monat in der Jugendverkehrsschule Oberaue (Saaleradweg Richtung Wöllnitz, vor dem Straßenbahn- Übergang rechts).
Bei gutem Wetter gibt's meist zusätzlich einen April- und Oktobertermin, sowie Zusatztermine bei öffentlichen Veranstaltungen mit Polizei- oder
Verkehrssicherheitsthemen. Das Codierteam kommt nach Terminvereinbarung auch das ganze Jahr über in Schulen, Behörden, Betriebe usw. (mindestens 15 Kunden je
Einsatz nötig). Codierung ist z.Z. kostenlos, Personaldokument und Eigentumsnachweis für das Rad bitte mitbringen.
5. Mit dem Rennrad
Das Stadtgebiet Jena ist für konstantes Training eher schlecht geeignet. Bei den Ausfallstraßen
ist die Benutzung der Fahrbahn meist illegal, und das übrige Straßennetz ist derart mit z.T.
schlecht koordinierten Ampeln gespickt, dass Kraft- und Radfahrer oft mehr stehen als
fahren. Das ändert sich jedoch außerhalb der Stadt. Im näheren Umkreis sind mir keine
Landstraßen mit Radfahrverbot bekannt, und auch benutzungspflichtige Seitenwege außerhalb
der Ortschaften, oft unschön wegen des ständigen Auf und Ab, gibt es kaum.
Dennoch dürfte auf
einigen Straßen das Fahren wegen des starken Autoverkehrs keine Freude machen: B 7 nach Weimar,
B 88 nach Rudolstadt und die Landstraße nach Stadtroda. Die B 88 ist zwischen Jena-Zwätzen und
Dorndorf (in Fahrtrichtung Dorndorf) gefährlicher, als es der Verkehrsdichte entspricht: Am
Bahnübergang Dorndorf bilden sich Autokolonnen, deren Fahrer auf dem weiteren Weg nach Jena
regelrechte Wettfahrten unter Missachtung des Gegenverkehrs austragen. Auf der langen Geraden
nördlich Porstendorf habe ich schon haarsträubende Situationen erlebt. Diesen Abschnitt befährt man
am besten nur südwärts, nach Jena hinein. Anders herum ist höchste Aufmerksamkeit gefragt.
Richtig autoarme Landstraßen finden sich am ehesten nördlich Camburg beiderseits der B 88,
die
zwischen Camburg und Naumburg auch selbst gut fahrbar ist. Orte wie Abtlöbnitz, Frauenprießnitz,
Schkölen wären da zu nennen. Auch das historische Schlachtfeld von 1806, also die Hochfläche zwischen
Jena, Apolda, Bad Sulza und Camburg (mit Erweiterung auf die Fläche zwischen Bad Kösen, Naumburg,
Bad Bibra und Eckartsberga außer der stark befahrenen B 87), und die Gegend südöstlich Jena (Milda, Reinstädt, Großkochberg...) sind
m.E. gut befahrbar. Um Hermsdorf sollte man dagegen einen großen Bogen machen;
die Radverkehrsführung durch die Stadt ist für schnelles Fahren weitgehend unbrauchbar, ja gefährlich.
Wer wegen des Trainingseffektes möglichst viele Höhenmeter "abspulen" will, könnte sich ggf. mit der
Gegend zwischen Pößneck, Saalfeld, den Plothener Teichen und dem Hohenwartestausee anfreunden: radweglose asphaltierte Landstraßen mit enormen
Höhenunterschieden und i.d.R. annehmbarem Autoverkehr (nicht immer! Der
Ausflugsverkehr zum Stausee ist manchmal lästig; die B 281 selbst meiden: dichte Autokolonnen;
Radfahren ist außer auf den neuen Ortsumgehungen erlaubt). Das Radroutennetz des Saale-Orla-Kreises verläuft im Wesentlichen
auf diesen Straßen (und ist eigentlich ein Rennrad- Routennetz). Von Jena aus ist die Gegend gut erreichbar
(ca. 30 km, mit Zug Jena <-> Pößneck unt.Bf eine reichliche halbe Stunde).
6. Mountainbiken in/um Jena
Jena und Umgebung ist eine gute MTB-Region, wenn man keine Extremabfahrten vorhat. Mehr als 250 m
Höhenunterschied gibt das Gelände nicht her; Jena ist kein Thüringer Wald und erst recht keine
Alpenregion. Trotzdem sind die Wege für Otto Normalbiker oft eine Herausforderung. Auf den vielen
Forstwegen um Jena ist Biken gestattet, wenn sie die Kriterien für das Radfahren
gemäß Waldgesetz des Landes Thüringen erfüllen: mindestens 2 m breit, auf Dauer für forstwirtschaftlichen
Verkehr geeignet. Diese Bestimmung ist gegenüber einigen anderen Bundesländern recht restriktiv,
aber die letzte Voraussetzung ist dehnbar, und immer mehr Forstwege werden ausgebaut. Dass mit Wanderern und Joggern vernünftig
umgegangen wird und die Wege nicht verlassen werden, wird hier bestimmt zum 101. Male gesagt.
Eine Auswahl der gemäß Waldgesetz zum Radeln geeigneten Wege
im Jenaer Stadtgebiet zeigen die Karten "Fahrradkarte Jena/Saaletal" (Verlag "grünes herz") und "Wanderkarte Jena" (mapexpert), diese Wege sind mit der Stadtförsterei abgestimmt. Natürlich
kann es noch mehr geben, das Wegenetz um Jena ist sehr dicht. Weitere brauchbare MTB-Gebiete um Jena sind z.B. Tautenburger Forst, Uhlstädter Heide, Hohe Straße westlich Orlamünde, Wälder bei Blankenhain, z.T. Holzland (Eisenberg, Stadtroda).
Umstritten ist das Radfahren auf Kern- und Johannisberg- Horizontale und ähnlichen Wegen um Jena: offiziell verboten, die Strecken gelten jedoch als landschaftlich
einmalig in Mitteldeutschland und entwickeln sich allmählich zum Wirtschaftsfaktor – etliche Mountainbiker kommen nur
zur Fahrt auf der Horizontale nach Jena. Auch die berühmte Rundwanderung "100 km um Jena" lässt sich mit dem MTB fahren und führt über diese Wege. Dem Vernehmen nach
kommen die verschiedenen Sportler und Wanderer aber dort i.d.R. gut miteinander aus; eine schon einmal angedachte Freigabe der
Horizontale für Radler nur zu bestimmten Zeiten oder in einer Richtung (schwer durchzusetzen) wurde bisher nicht weiter verfolgt.
Auf den Webseiten der Deutschen Initiative Mountainbike (www.dimb.de) finden Sie allgemein Wissenswertes zum Thema.
Am westlichen Jenzig-Abhang oberhalb des Erlkönig-Denkmals gibt es eine Downhill-Strecke ("Erle"), über die im Thüringer MTB-Forum Widersprüchliches zu lesen ist.
Die Strecke ist offenbar halboffiziell, muss aber von den Nutzern selbst gepflegt werden und ist auch nicht immer passierbar.
7. Radfahren mit Kindern
Konkret geht es hier vor allem um noch nicht straßensichere Kinder. Wo können diese in Begleitung
der Eltern vernünftig fahren? Von fast allen Jenaer Altbaugebieten ist abzuraten: enge Gehwege,
enge Straßen, oft bis zum völligen Verlust jeder Übersicht zugeparkt, manchmal bergig. Die Neubaugebiete
der 90er Jahre sind oft nicht viel besser. Das ungeliebte Plattenbaugebiet Lobeda hat mit seinen
großen Freiflächen und breiten Gehwegen m.E. bessere Bedingungen. Ebenso am Wochenende die dann fast menschenleeren
Industriegebiete Göschwitz (abseits der Göschwitzer Straße) und Saalepark.
In der Regel sollte es mit Kindern aber: "Raus ins Grüne!" heißen. Z.B. in die Oberaue, das "Paradies",
mit ausgedehnten Wegen zwischen der Camsdorfer Brücke und Lobeda oder Burgau. Auf den zwei, drei Hauptwegen ist spielerisches Fahren jedoch unerwünscht,
da dort viele schnelle und sehr schnelle Radfahrer fahren. Die Regeln auf diesen Wegen sind wie
auf jeder anderen Fahrbahn: Rechts fahren, links überholen, nicht über die ganze Wegbreite hin und
her schlängeln (außer es kommt wirklich niemand von hinten). Bis ein Kind so sicher fährt, dauert
es eine Weile. Im Übrigen können Sie mit Ihrem Kind in der Oberaue das Verhalten am Bahnübergang
üben. Ob die Ampelschaltung am Übergang hinter den Sportplätzen vernünftig ist, sei dahingestellt,
aber die Anlage entspricht recht gut der Realität an den Nebenstrecken der Eisenbahn (und die Straßenbahnen
in der Oberaue fahren z.T. schneller als Züge auf jenen Strecken).
Die Umgebung der Sportplätze ist
wegen starken Autoverkehrs zu gewissen Zeiten ungünstig: Heimspiele des FC Carl Zeiss, Sportfeste,
Haupt- Trainingszeiten von TUS und USV, Wochenenden im Hochsommer (Verkehr zum Südbad). Ähnliches gilt
an warmen Tagen für die Umgebung der Rasenmühleninsel, des Jugendtreffs der Region; die Stadt sieht über den
unerlaubten Autoverkehr "großzügig" hinweg.
Außer der "Paradelandschaft" Oberaue gibt es um Jena wenige wirklich autofreie Gebiete. Mir
fallen im Moment als isolierte Strecken noch Lommerweg mit Fortsetzung Mühltal – Großschwabhausen (leider z.T.
neben der Straße), Zwätzen – Porstendorf und der Saaleradweg Maua – Rothenstein ein, zeitweise die Talsteinstraße
nach Kunitz. Wer den Berg zum Steinkreuz schafft (zur Not mit dem Auto;
Fahrräder verladen), findet auf der Wöllmisse gute Bedingungen vor – der dortige Kfz-Verkehr ist illegal
und hält sich in Grenzen; Moto-Cross- Fahrer hört man von weitem.
Wer seinen Kindern Abwechslung bieten will, sollte nach Naumburg fahren: wie
Jenaer Oberaue, nur x-mal größer. Die Fahrzeit dahin (Bahn, Auto) ist nur rund eine halbe Stunde. Noch etwas weiter entfernt sind die
miteinander verknüpften Rundwege um die Seen im Geiseltal im Raum Mücheln, die von Weißenfels aus gut erreichbar sind.
8. Kann ich mein Rad in Jenaer Bahnen und Bussen mitnehmen?
Hier sind Eisenbahnen im Fern- und Nahverkehr, Straßenbahnen und Stadtbusse sowie Regionalbusse zu unterscheiden.
Eisenbahn Die Nord-Süd- Fernstrecke ist eine ICE-Linie ohne Radmitnahme. Über Weimar mit Anschluss von/nach Jena verkehren eine IC-Linie Berlin – Düsseldorf/ Köln/ Frankfurt und ein CNL-Nachtzug Dresden – Zürich und zurück
mit Radmitnahme, die Zukunft dieser Züge ist aber bei jedem Fahrplanwechsel ungewiss. Ansonsten findet der Anschluss Jenas an die "weite Welt" für den Rad fahrenden Bahnkunden hauptsächlich über den
Langlauf-RE Göttingen – Chemnitz und die Anschlusszüge Erfurt – Würzburg statt. Die dort fahrenden Triebwagen haben
außerhalb der Teilstrecke Erfurt – Jena meist vernünftige Besetzung; der Radler findet eigentlich immer ein Plätzchen. (Aber: Nächsten
Absatz beachten.) Ende 2011 wird zudem eine RE-Linie Jena <-> Nürnberg mit Radmitnahme starten.
Im Eisenbahn-Nahverkehr ist die Jenaer Situation gut.
In Thüringen ist auch in übersehbarer Zukunft die Fahrradmitnahme im Bahn- Regionalverkehr kostenlos.
(Das Land bezahlt einen entsprechenden Ausgleichsbetrag an die Bahnunternehmen.)
Sie können mit gültigem Fahrschein (auch Semesterticket Jena-Weimar) jederzeit Ihr Rad ohne Zusatzkosten mitnehmen. Die Kehrseite: In den stark nachgefragten Zügen der Holzlandbahn
herrscht oft Gedränge, besonders zwischen Jena-West und Weimar bzw. Erfurt, am Wochenende z.T. auch in
Richtung Gera/Chemnitz. Wer als Fernradler den RE nach Göttingen nutzen und den Stress beim Einsteigen in Jena-West
meiden will, steige in Göschwitz ein: Dann ist er im Zug, bevor die Massen in Jena-West kommen. Kurzstreckenreisende in Richtung Weimar oder Gera nehmen am besten die Regionalbahnen: niederflurig
und außerhalb des Berufsverkehrs nur mäßig besetzt. Jedenfalls: Wer ein so kostbares Rad hat, dass er es nicht an andere Fahrräder anlehnen kann, macht sich
da bald unbeliebt – die gängige Verfahrensweise ist: einfach alles 'rein, und dann irgendwie zusammenschieben
oder -stellen. – Auf der Saalebahn und nach Pößneck geht es bei weitem nicht so hektisch zu.
Alle Regionalbahnen, die über Jena fahren, sind niederflurig; die Regionalexpresse
i.d.R. nicht. Nach Naumburg sollte man die durchgehenden RB nehmen oder, bei Umsteigen in Großheringen, in der Fahrplantabelle 580.1 die "Fahrradzüge" (nur am Wochenende) als Anschluss wählen.
Die übrigen Züge zwischen Großheringen und Naumburg können mit Fahrrad in Großheringen kaum ohne fremde Hilfe bestiegen werden,
da der Bahnhof extrem niedrige Bahnsteige hat. Reisen Sie zu mehreren, mag das angehen.
Für Alleinreisende ist das Ver- und Entladen des Fahrrads in Großheringen wirklicher Stress.
Beachten Sie bei der Tourplanung die häufigen Streckensperrungen mit Schienenersatzverkehr, meist an
verlängerten Wochenenden im Frühjahr (Ostern, Himmelfahrt, Pfingsten). Um unliebsame Überraschungen
zu vermeiden, ist die Recherche so kurz wie möglich vor der geplanten Tour unabdingbar (die DB bietet im WWW sehr
aussagekräftige Unterlagen dazu an, die sich aber von Tag zu Tag ändern können). In einen SEV-Bus passen i.d.R. nur
zwei normal große Fahrräder; im schlimmsten Fall kann es z.B. passieren, dass Sie auf der Heimfahrt von Ihrem
Osterausflug 15 oder 20 km außerplanmäßig auf der Straße fahren müssen. Tipp: Manchmal fahren einzelne Züge doch durch.
In Sachsen-Anhalt und bestimmten Anschlussstrecken in Bayern ist die Radmitnahme auch kostenfrei,
diese Bestimmung kann sich aber schneller ändern als in Thüringen. Fragen Sie im Zweifelsfall bei der Bahn nach.
Straßenbahn/Stadtbus. Einfache Regeln: Ein Fahrrad kostet einen Kinderfahrschein;
natürlich braucht der Fahrer selbst einen gültigen Fahrausweis – auch Zeitkarte, Semesterticket,
Wochenendticket etc. Eine Sperrzeit gibt es nicht. (Was nicht heißt, dass man nun in eine zur Hauptverkehrszeit überfüllte Bahn der Linie 5
noch ein Rad quetschen kann: das lassen die Sicherheitsbestimmungen gar nicht zu.) Pro Standardbus
maximal 2 Fahrräder, bei Gelenkbussen und Straßenbahnen dürfte die Bauart mehr zulassen. (Dies ist
ein wesentlicher Punkt der Beförderungsbestimmungen.) Linien- und Anrufsammeltaxen befördern nur
kofferraum- taugliche Räder (Klapp-, Falt-, Kofferräder). Fahrrad in der Straßenbahn am sinnvollsten
gleich auf die hintere Plattform stellen; so werden Konflikte mit Rollstuhlfahrern (die vorn einsteigen)
vermieden. Im Gelenkbus kann in solchen Fällen der Raum im Gelenk mit benutzt werden.
Regionalbus. Hier habe ich selbst keine Erfahrung, also Theorie. Jena wird von vielen
Regionalbusunternehmen bedient; für einige (JES mit Subunternehmern: Verkehr im Saale- Holzland- Kreis,
PVG Apolda: Linie Jena – Apolda) gelten dieselben Bestimmungen wie im Jenaer Stadtverkehr, bei
anderen (z.B. Linien nach Pößneck und Schleiz) nicht. Die JES hat auch einen eigenen Fahrradschein.
Beachten: Oft haben diese Firmen Reisebusse im Liniendienst, Fahrräder passen nur mit gutem Willen hinein (ggf. in die Gepäckräume unter dem Fußboden des
Busses). Da diese Linien oft sehr geringen Zuspruch haben, sollte man meistens mitkommen. (Der Webmaster ist an Erfahrungen interessiert.)
9. Als Fernradler in Jena
Die meisten Fernradler werden auf der Saale- oder Städtekettenroute nach Jena kommen.
Jena lohnt eine Übernachtung oder längere Besichtigung. Ein paar Tipps:
• Übernachtung: kein Problem. Hotel, Jugendgästehaus des Internationalen Bundes,
Campingplatz, Pension... einige Angebote gibt's in der Linkliste.
• Der Saaleradweg geht nicht durch die Innenstadt; beachten Sie, wenn Sie ins Zentrum wollen, die Wegweiser der nächstgelegenen Abfahrmöglichkeiten
(Paradies- bzw. Camsdorfer Brücke). Einzelheiten siehe Kartendarstellung.
• Es gibt immer wieder größere Verlegungen der Fernradrouten in Jena, zeitweise oder dauernd. Wir versuchen, auf dieser
Übersichtskarte den jeweils aktuellen Stand darzustellen. Wundern Sie sich nicht, wenn Ihre Karte einen anderen Verlauf als
die Wegweisung vor Ort zeigt. Bisweilen sind zeitweilige Umleitungen auch schlecht ausgeschildert, was der ADFC nur in engen Grenzen beeinflussen kann.
• Das unbeaufsichtigte Abstellen eines bepackten Reiserades, um Sehenswürdigkeiten zu besuchen,
halte ich für ungünstig (siehe Pkt. 4). Fahrradboxen zum Einschließen gibt es in ganz Jena z.Z. nicht.
Wer ganz sicher gehen will, bringt das Gepäck zuerst ins Quartier oder packt es am Paradies- bzw.
Westbahnhof ins Schließfach. Die meisten Museen etc. liegen im oder um das Stadtzentrum; es lohnt sich, das Fahrrad an zentraler Stelle (Holzmarkt,
Vorplatz des Intershop- Turms) an einen Bügel anzuschließen und von dort die Stadt zu Fuß zu erkunden.
• Jena hat ein auffälliges touristisches Wegweisungssystem, große weiße Pfeilschilder. Leider auf
Fußgänger ausgerichtet, aber zur allgemeinen Orientierung sehr nützlich. Dazu einige große
Infosäulen mit Stadtplan und Infos an den Ortseingängen.
10. Radtouren/-routen um Jena (allgemein)
Zum Rennrad- und MTB-Fahren wurde schon einiges gesagt, was auch für den "normalen" Freizeitfahrer
von Interesse sein kann. Ansonsten: Die Jenaer Gegend ist kein Radlerparadies wie Mecklenburger
Seenplatte oder Altmühltal, aber die Bedingungen zum Radwandern sind akzeptabel. Schließlich sind
wir in der direkten Umgebung einer Stadt mit 100.000 Einwohnern, und jedes Fleckchen der Landschaft
ist intensiv genutzt.
Wirklich autofreie Strecken sind daher selten – es gibt Menschen,
die das stört. Ohne abschnittsweise Benutzung der Landstraßen kommen Sie nicht aus, es sei denn,
Sie verschwinden mit dem MTB in den Wäldern. Aber nicht jede Straße ist so dicht mit Autos befahren,
dass dem Radfahrer schwindelig wird. Eher sind da schon die Steigungen unangenehm. Leider hilft es
nichts: Will man nicht nur im Saaletal umherfahren, muss man selbiges über eine steile Höhenstufe
verlassen – zurück geht es natürlich bergab. Womit nicht gesagt ist, dass die Wege in den
Tälern nur flach sind: Meist werden noch die historischen Wegverläufe aus der Zeit vor dem Bau
der Saaletalsperren genutzt, die wegen der Hochwassergefahr am Rand der Talsohle verlaufen und oft tüchtige Wellen
haben. Deshalb ist auch für reine Saaletal-Touren eine gewisse Kondition nötig. Wer es wirklich
fast nur flach und autofrei mag, mache seine Touren im Raum Naumburg und Weißenfels.
Sind Sie "Kilometerfresser" und möchten möglichst alle benannten Radrouten in der Gegend abfahren?
Folgende davon gibt es im Jenaer Einzugsgebiet, das ich einmal (willkürlich) mit dem Gebiet gleichsetze,
für das wir Radwanderkarten bearbeiten:
• Saaleradweg (Teilstück)
• Radroute "Thüringer Städtekette" (Teilstück)
• Thüringer Mühlenradweg (Rundkurs durch Jena und den SHK)
• Jenaer Kirchenradweg (Kurzstrecke Jena – Bürgel)
• Ilmradweg (Teilstück)
• Orla-Radweg (Triptis, Neustadt, Orlamünde)
• Feininger-Route (bei Weimar)
• Radroute 1806 (Jena bis Bad Kösen)
• Gutschbachradweg (bei Eckartsberga, Bad Bibra)
• Hasselbachradweg (dito)
• Saale-Unstrut-Elster-Rad-Acht (südl. Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt, Teilstücke)
• Unstrutradweg (kleines Teilstück)
Dicht "dran", aber doch abseits sind Elster-, Laura- und Gera-Radweg. Der Weg durch das Schwarzatal soll neuerdings (2010) stark verbessert sein, konnte aber noch nicht
überprüft werden. Im Aufbau ist ein Weg auf der ehemaligen Bahntrasse Camburg – Molau – Zeitz, was aber noch einige Jahre dauern wird.
11. Kartenmaterial, Routenplaner, Wegweisung
Gibt es einen Radfahrerstadtplan für Jena? Bisher nicht, weil keine Finanzierung des Projektes gefunden wird
(Verlage sehen den Markt als zu klein an). Wegen des Vordringens der elektronischen Navigation wird es voraussichtlich dabei bleiben. ADFC und Stadtverwaltung wollen ihr Wissen eher in
die Netzentwicklung für Navigationsprogramme investieren.
Eine kleine Übersicht der Verbindungen zwischen Orten bzw. Knoten des Radverkehrs in Jena ist in diesem Webangebot unter
"Streckennetz für Alltagsradfahrer" zu finden. Eine abgewandelte Version gibt es hier als Routinganwendung (Schwerpunkt: nähere Jenaer
Umgebung, Ergänzung zur unten genannten "Fahrradkarte Jena").
Welche Radwanderkarten sind zu empfehlen? Das Thüringer ADFC-Kartenprojekt besteht aus den Karten "Erfurt – Mittelthüringen", "Jena – Saaletal" und "Gera – Altenburg – Zwickau".
(Da Landesverbands- Projekt, werden sie kaum über die zentralen ADFC-Medien beworben.) Die relativ neu bearbeiteten ADFC-Radtourenkarten 1:150 000 sind wegen des dünnen Routennetzes eher für Langstreckenfahrer interessant.
Für Mountainbiker, die auch das Wanderwegenetz kennenlernen wollen, gibt es ein breites Angebot an Wanderkarten: z.B. aus den Verlagen "grünes herz", mapexpert, Kompass, Dr. Barthel. (Jede dieser Karten setzt andere Schwerpunkte, eigentlich müsste man alle kaufen.)
Hinzuweisen ist noch auf die topographischen Karten der Landesvermessungsämter (Adressen siehe Linkliste) in gedruckter Form oder auf CD/DVD und auf das nur im WWW verfügbare Openstreetmap-Projekt.
Hinzuweisen ist natürlich auf das Heft "Jenaer Radeltouren" (siehe Produktseite, z.Z. in Neubearbeitung). Andere Karten, die an dieser Stelle früher erwähnt wurden, haben nur noch historischen Wert.
Routenplaner, Elektronische Navigation. Der Fahrrad- oder Fuß-Modus der WWW-Routenplaner der großen Navigationsanbieter ist für Jena fast unbrauchbar, da die meisten autofreien Wege fehlen; Radfahrer werden auf lange Umwege geschickt.
Eine im ADFC Jena selbst entwickelte kleine Lösung mit eingeschränkter Datengrundlage finden Sie hier. Das ADFC-Tourenportal hat leider ein dünnes Streckennetz, das im ADFC Thüringen eher halbherzig gepflegt wird (Problem: hoher Administrationsaufwand) und ist schon bei Grundfunktionen
für den Nutzer kostenpflichtig, was heute als nicht mehr zeitgemäß bezeichnet werden muss. Anfang Juli 2010 wurde der vom Land Thüringen in Auftrag gegebene Radroutenplaner Thüringen gestartet, der vom Autor jedoch noch näher getestet werden muss. (Sofort auffallender Nachteil: harter Abbruch des Netzes an der
Grenze zu Sachsen-Anhalt, womit die guten Radrouten im Naumburger Raum nicht von Jena aus abgefragt werden können.)
Den mit Abstand vollständigsten routingfähigen Datenbestand für die Jenaer Umgebung bietet z.Z. das schon genannte Openstreetmap-Projekt, obwohl es im Detail noch manchen Fehler gibt (der Autor dieses Textes beteiligt sich an deren Beseitigung). Darauf basierende Routinganwendungen verstehen sich meist als Hobby- oder Demonstrationsprojekte und haben den einen oder anderen
Nachteil, lassen aber ahnen, was man damit bei systematischer Pflege anstellen könnte. Beispiele dafür sind:
• Openrouteservice: gut nachvollziehbare Routingergebnisse, leicht bedienbar, aber seltene Datenaktualisierung (im Abstand von Monaten)
• Deutschlandversion von BBBike: viele Einstellmöglichkeiten, Daten häufig aktualisiert, aber Routingergebnis manchmal seltsam.
Der Nutzer möge beides ausprobieren. Leider fehlt Openstreetmap ein Höhenmodell für steigungsoptimiertes Routing.
Zur Wegweisung: Es gibt Radfahr-Wegweiser von den Bahnhöfen und Abzweigen der Fernradrouten zur Innenstadt und wenige Wegweiser zu innerstädtischen Zielen,
dazu in der Stadt die Wegweiser der überörtlichen Radrouten: Saale, Städtekettenroute, Route "1806", Mühlenroute, Kirchenroute. Einige Wegweiser vom früheren Radroutennetz des Saale- Holzland-
Kreises (nummerierte "R"-Wege) gibt es noch am Stadtrand, dieses Netz befindet sich aber in Auflösung. Mountainbiker werden sich gut zurechtfinden, da das Wanderwegenetz
mit soliden und gut gepflegten Schildern reichlich bestückt ist.
12. "Fahrradklima", Polizei, Autofahrer
Sind die Radler eine eher starke oder schwache Fraktion im Jenaer Stadtverkehr?
Momentan noch die schwächste, aber die einzige Verkehrsart mit ununterbrochenem Zuwachs seit ca. 1985. Eine Tabelle der Verkehrsmittel- Anteile gibt's hier in diesem Webangebot unter "Verkehrspolitik".
Allgemeine Haltung der Stadtverwaltung zum Radverkehr?
Waren in den ersten 15 Jahren nach der Wende Stadtrat und -verwaltung in Fragen des Radverkehrs tief gespalten und unversöhnliche Gegensätze zwischen Fahrrad- Befürwortern und Gegnern an der Tagesordnung
(einschließlich erheblicher Auswirkungen auf Straßenbau, Verkehrsregelung und Öffentlichkeitsarbeit für den Radverkehr), hat sich seit etwa 2005 eine pragmatische Haltung durchgesetzt. Mittlerweile sind wohl
99% der Beteiligten der Meinung, dass der Radverkehr eine eigenständige Aufgabe im Jenaer Verkehrsgefüge wahrnimmt und weder durch Fuß-, noch öffentlichen Nahverkehr ersetzbar ist;
diese Einsicht kam jedoch sehr spät und erst nach einigen Personalwechseln im Stadtplanungsbereich. Inzwischen betreibt auch die Stadt eine annehmbare Öffentlichkeitsarbeit pro Fahrrad,
was über viele Jahre als Ding der Unmöglichkeit erschien.
Hierzu dürften einige Umfrageergebnisse (z.B. zu Freizeitsport und Bürgerhaushalt) beigetragen haben, aus denen eine große Begeisterung der Bevölkerung für das Radfahren zu entnehmen war.
Im Jenaer "Leitbild für Energie und Klimaschutz" bekannte sich die Stadt 2007 im Übrigen zur Erhöhung des Radverkehrsanteils am Modal split (auch wenn Wert und Jahreszahl, 15% bis 2010, m.E eine
überexakte Vorgabe sind).
Bisher nicht grundsätzlich überwunden wurden Unsicherheit und Stückwerk- Denken bei der fahrradgerechten Verkehrsorganisation und baulichen Gestaltung der Straßen und Wege. Hierzu tragen auch
problematische Forderungen bei, die aus der Öffentlichkeit an Stadtverwaltung und AG Radverkehr heran getragen werden; da fordern Bürger eben einen einseitigen Zweirichtungsradweg im Wohngebiet
(der sich nach dem Bau, für Fachleute erwartungsgemäß, als Unfallschwerpunkt erwies) oder eigenständige Radverkehrsflächen im innerstädtischen Gewühl, wo eine Verkehrstrennung erfahrungsgemäß nie funktioniert.
– Auch noch: Die Verwaltung ist recht träge, was die Korrektur von Fehlern bei Bau- und Beschilderungssünden betrifft (wobei wir hier schon weiter als vor 10 Jahren sind, aber bei einigen Fällen hat die
AG Radverkehr seit ihrer Gründung 1995 keinerlei Fortschritt erreicht).
Was sagt die öffentliche Meinung zum Jenaer Radverkehr?
Nachdem das Thema einige Jahre in den Medien kaum präsent war (davor konnte berichtet werden, wie die politischen Kräfte der Stadt sich zum Radverkehr die Köpfe gegenseitig einschlugen, was zu gleichen Reaktionen
der Leserbriefschreiber führte), gibt es heute in der Lokalpresse eine vernünftige Berichterstattung auf Basis der Sitzungsprotokolle der AG Radverkehr und oft nachfolgenden Recherchen der Redakteure. Ähnliche
Beiträge kommen von JenaTV. Das Image des Radverkehrs dürfte auch von einigen durchaus unerwarteten Umfrageergebnissen der letzten Jahre profitieren: In der Bevölkerungsumfrage zur Aufstellung des Sportentwicklungsplans
2008 wurde Radfahren von 42,2% der Befragten als ausgeübte Bewegungsaktivität genannt und lag mit Abstand an der Spitze aller Sportarten. Bei der Abstimmung zum Bürgerhaushalt 2009 belegte der Punkt "Ausbau des
Radwegenetzes" (den ein Fachmann anders genannt hätte) gemeinsam mit zwei anderen Maßnahmen den zweiten Platz von 20 Punkten. Dem gegenüber halten sich die Meinungen gegen den Radverkehr heute sehr in Grenzen,
vor allem im Vergleich zu den Hetzkampagnen aus dem schwarz-gelben Parteilager in den 90er Jahren. Querschüsse kommen am ehesten vom NABU, der unverdrossen seit 15 Jahren gegen einige Wegebauten
für den Radverkehr im Grünbereich der Stadt kämpft. Hier muss wohl ein Generationswechsel in den Reihen der Artenschützer abgewartet werden.
Kommt man mit Auto-, Bus-, Straßenbahnfahrern klar?
Es geht so. Seitdem die Klimadiskussion richtig in der Öffentlichkeit angekommen ist (ca. 2007), habe ich mit Jenaer Autofahrern wenig Probleme, obwohl besonders in der
Innenstadt alle Verkehrsteilnehmer verbissen um jeden Zentimeter Raum kämpfen und jungen Auto- und Radfahrern die StVO oft ziemlich egal ist.
Obwohl: Im Frühverkehr (ca. 6 bis 7 Uhr) sind viele Autofahrer noch "im Tran" und vergessen jegliche Verkehrsregeln; nachts stehen etliche
Fahrer besonders auf den Landstraßen offenbar unter Drogeneinfluss – ich bin da als Radfahrer schon knapp dem Tode entgangen.
Die früher übliche Nichtakzeptanz unechter Einbahnstraßen durch Kraftfahrer (in der für Kfz verbotenen Richtung fahrende Radfahrer wurden
bewusst an den Rand gedrängt und ggf. beschimpft) ist stark zurück gegangen.
Andererseits berichten einige Radfahrer über ständige Probleme mit Kraftfahrern im gesamten Stadtgebiet. Möglicherweise könnten da bestimmte Eigenschaften oder Auffälligkeiten des persönlichen Fahrstils die Ursache sein,
weil andere diese Erfahrung überhaupt nicht nachvollziehen können (auch nicht an gleicher Stelle zur selben Zeit).
Jüngere Kraftfahrer aus dem dörflichen Umland können im Übrigen mit Radlern, Straßenbahnen und Fußgängern oft nicht vernünftig umgehen; auch "Ausraster" im Straßenverkehr betreffen am ehesten diese Fahrer.
Das Verhalten der JeNah- Busfahrer ist durchwachsen, wobei die Unterschiede zwischen ihnen riesig sind. Einige sind der Meinung, ein Bus habe an Engstellen automatisch
Vorfahrt oder man dürfe Radfahrer auf dem Magdelstieg mit 30 cm Abstand überholen (bestärkt durch Äußerungen aus der JeNah- Geschäftsführung,
die ein Recht auf StVO-Verstöße zwecks Einhaltung des Fahrplans behaupten). Andere überholen an gleicher Stelle mit 2 m Seitenabstand.
Ein schwieriges Kapitel ist manchmal der Kontakt mit Straßenbahnfahrern, obwohl hier seit 2-3 Jahren etwas Gelassenheit eingekehrt ist und sich die
Fahrer nicht mehr als völlig abgehobene Elitetruppe des Stadtverkehrs verstehen.
Früher waren die Fahrer z.T. übervorsichtig ("prophylaktische" Notbremsungen), oder aber rücksichtslos bis zum Äußersten, wenn Sie sich
als Radfahrer erlaubter- oder gezwungenermaßen auf dem Gleiskörper befanden. Natürlich müssen Sie der von hinten
kommenden Bahn den Weg frei machen (die StVO schreibt das vor), aber erst an geeigneter Stelle. Wer der Bahn im Weg ist, sollte sich jedoch
so zügig wie möglich daraus verziehen. Allgemein gilt bei Konflikten: Beschweren Sie sich
beim Arbeitgeber (mit Uhrzeit, Ort und Wagennummer), wenn Sie Ihrer Meinung nach eindeutig im Recht sind, aber möglichst nur
dann; die Fahrdienstleitung führt dann Aussprachen. (Wobei die JeNah-Fahrer, bisweilen berechtigt, auch auf die Radler schimpfen.)
Die Polizei als Freund und Helfer?
Der seit einiger Zeit amtierende Leiter der Jenaer Verkehrspolizei ist ein guter Fachmann und Stammgast in der AG Radverkehr; in seiner Amtszeit wurde die Polizeiarbeit im Verkehrsbereich erheblich solider.
Zuvor hatte sich die Jenaer Polizei über 15 Jahre (1991 bis 2006) mit dem Radverkehr gar nicht beschäftigt, während die Radfahrer ihr Verhalten unkontrolliert optimierten (oft nicht den Vorschriften entsprechend),
und die Polizei fast alles Fachwissen verloren hatte, wie damit umzugehen ist. Öffentlicher Druck, man möge gegen die "rowdyhaften Radfahrer" endlich etwas unternehmen, tat ein Übriges: 2006 wurden die Radfahrer
als "Zielgruppe der Verkehrserziehung" neu "entdeckt" und z.T. überhastete und übereifrige Aktionen gestartet, bei denen Radfahrer und Polizeibeamte im Prinzip Versuchskaninchen waren. Das sollte 2010 aber Geschichte sein.
Kontroll- und Ermahnungs- Schwerpunkt ist Fahren ohne Licht, Reflektoren und Klingel (wobei m.W. funktionierendes[!!] Akkulicht ohne Dynamo am Rad toleriert wird, die Fahrradstaffel der Polizei schwört mittlerweile auf
Nabendynamos) – bei Verstößen muss gezahlt werden, im Wiederholungsfall wurden auch schon Fahrräder befristet eingezogen. Desgleichen gibt's bei Fahren unter Einfluss jeglicher Rauschmittel kein Pardon; ich wundere
mich immer über den sicheren Blick der Beamten, mit dem sie entsprechende Fahrer finden.
Die vor Jahren geübte Praxis, an Stellen mit komplizierter oder unlogischer Verkehrsregelung (auch: bei schlecht einsehbaren Verkehrszeichen) die Radfahrer in die
Falle zu locken und abzukassieren, wurde lange nicht mehr in der Öffentlichkeit bemängelt. Gleiches gilt für frühere Fälle, wo Radfahrer wegen in der StVO ausdrücklich erlaubten, aber von der Polizei falsch interpretierten
Verhaltensweisen verwarnt wurden. Wer mit der Verkehrspolizei ein diskussionswürdiges Problem hat, möge die AG Radverkehr (fahrradverkehr@jena.de) kontaktieren, wir kümmern uns darum. Im Übrigen ist der verantwortliche Leiter
in der Polizeiinspektion am Anger (Herr Thomas Kießling) auch für Bürger zu sprechen, wenn man sich (telefonisch) zu ihm durchfragt.
Positiv ist zu erwähnen, dass die Jenaer Polizei mit den Feinheiten der Radwege- Benutzungspflicht (und den praktisch unvermeidlichen Verstößen dagegen) äußerst pragmatisch umgeht und auch ab und an betont, dass sie nicht für
die Gestaltung, sondern nur die Durchsetzung der Verkehrsregelungen verantwortlich ist. Bestimmte Probleme mit Ampelschaltungen etc. sind grundsätzlich bei der Stadtverwaltung abzuladen.
13. Radverleih, Radvermietung
In Jena z.Z. nur von Händlern bzw. Spezialfirmen mit dem Nachteil, sonn- und feiertags keine Räder mieten oder
zurück geben zu können. Der ADFC kann keine anbieten, weil wir keine bezahlbare und günstig gelegene Räumlichkeit zum Aufbewahren der
Fahrräder finden.
Bekannte Vermieter sind:
• Kirscht, Löbdergraben 8, www.fahrrad-kirscht.de
• Nöthling, Grietgasse 6, Tel. 03641/420 170
• Rad 'n Roll, Steinweg 24, www.radnroll.de
• Rad-Börse, Bachstr. 38, www.rad-börse.de
• Saaletal-Aktiv-Tours, Grenzstr. 54, www.saaletal-aktiv-tours.de
• Soliladen der Thüringer Arbeitsloseninitiative, Lichtenhainer Str. 6
Die Hotels "Esplanade" und "Best Western" vermieten Fahrräder an ihre Gäste (lt. eigenen
Angaben). Hier nicht genannte Radhändler vermieten möglicherweise auch, bewerben die Angebote jedoch nicht.
14. Gibt es eine Selbsthilfewerkstatt?
Ja: Steinweg 24, bei Fahrradladen Rad 'n Roll – www.radnroll.de. In den 90er Jahren wurde eine Werkstatt gemeinsam von ADFC
und Uni-StuRa betrieben, konnte aber nach
Wegfall der Räumlichkeiten und engagierten Leute bis heute nicht wieder belebt werden.
15. Radweg "Thüringer Städtekette", Radtour Weimar – Jena – Gera usw.
Verlauf zwischen Ilm- und Elstertal (Weimar – Hartmannsdorf bei Gera) und im Stadtgebiet Jena: siehe Punkt "Radfernwege durch Jena" im Hauptmenü. Die Wegweisung vor Ort kann
bisweilen unvollständig oder irreführend sein, man sollte sich den Streckenverlauf vor der Tour auf der Karte ansehen.
Andere Varianten: 1. Von Jena über Ziegenhain – Steinkreuz oder Wöllnitz – Fürstenbrunnen nach Schöngleina (z.T. Forstwege, steil; siehe Fahrradkarte Jena/ Saaletal).
2. Kirchenradweg parallel zur B7 (Jena – Bürgel), weiter durch das Holzland gemäß genannter Karte. Zwischen Bürgel und Eisenberg werden z.Z. Wege an der B7 ausgebaut. Auch die B7 selbst kann zum großen Teil befahren werden (z.B. mit dem Rennrad).
3. Von Bad Klosterlausnitz in Richtung Gera kann man über Kühns Höhe – Tautenhain – Seifartsdorf (durchgehend asphaltiert, autoarm) nach Caaschwitz (Einmündung in die alte Route) abkürzen
(war offizielle Umleitung bei wegen Bauarbeiten gesperrtem Mühltal).
16. Woher bekomme ich eine Übersicht über die Radwanderwege im Saale-Holzland-Kreis?
Im SHK gibt es ein altes und ein neues touristisches Radroutennetz. Das alte ("R-Tafeln" mit Nummer) wird seit vielen Jahren nicht mehr gepflegt und soll eigentlich aufgehoben werden,
man findet aber immer noch Wegweiser. Die dazu gehörende Karte ist seit Ende der 90er Jahre vergriffen. Aufbau und Beschilderung des neuen Netzes gehen recht langsam voran. Der SHK möchte eine Karte dazu heraus bringen; Konkretes dazu ist noch nicht bekannt.
Sehr lückenhafte Darstellungen bietet das Openstreetmap-Projekt (Teilprojekt "Opencyclemap"), wobei die Inhalte von den Nutzern ergänzt werden können. Der Autor dieses Textes ist
selbst daran beteiligt, kann aber nur mäßigen Zeitaufwand darauf verwenden.
17. Ich hätte gern Vorschläge für Radtouren um Jena.
In den käuflichen Broschüren "Jenaer Radeltouren" (z.Z. vergriffen, kommt neu heraus) bzw. "Naumburger Radeltouren" finden Sie
ausgearbeitete Vorschläge. In der Tourist-Information ist (war?) ein kleines Info "Mit dem Fahrrad unterwegs" erhältlich, das ebenfalls einige Vorschläge in knapper Form beschreibt. (Die genannten
Vorschläge überschneiden sich z.T.) Auf der Downloadseite finden Sie außerdem die Tourenpläne des ADFC Jena seit 1993,
womit Sie die von uns angebotenen Touren nachfahren können. Eine übersichtliche Zusammenstellung dieser Touren
ist hier schon lange geplant und kommt irgendwann einmal... der Webmaster tanzt leider von der zeitlichen Belastung her auf 1000 Hochzeiten.
18. Bezugsquellen für gebrauchte Fahrräder, "Studentenfahrräder"
Gebrauchtradhändler:
Rikschaladen (www.rikscha-jena.de) Ecke Mittel-/Schleidenstraße (seit Jahren dort ansässig)
Radbörse (www.rad-börse.de) Bachstraße 38 (neu seit Frühjahr 2010).
Vom Vorbesitzer. Wer Jena nach dem Semester oder Studium verlässt, will oft sein Rad nicht
mitnehmen -> Kleinanzeigen und Schwarze Bretter in Uni und FH durchforsten. Einige Leute lassen ihr Rad
beim Auszug einfach stehen, besonders in Wohnheimen und Studentenhäusern -> Hausmeister fragen, ob irgendwo
Räder stehen, die seit Monaten oder Jahren nicht mehr angerührt wurden. Die juristische Frage ist, wie man
das Eigentum daran erwirbt. Manchmal muss bei solchen Rädern, obwohl eigentlich Schrott, auch ein stabiles
Schloss geknackt werden.
Versteigerungen des Fundbüros. Ein- bis zweimal jährlich, in Tageszeitungen und JenaTV (auch www.jenatv.de) angekündigt.
Sperrmüll; Sammlung zweimal jährlich. Unterschiedlichste Qualität, von sofort fahrbereit bis Schrott (aus 2-3 solchen "Möhren" ein fahrbereites aufbauen).
Problem: Sobald man ein Rad auf dem Sperrmüll sieht, sofort zugreifen! Sperrmüllsammler aus Osteuropa suchen die
Straßen mehrmals stündlich u.a. nach Fahrrädern ab, ggf. kommt es auf Minuten an.
Kleinanzeigen in Supermärkten (Kaufland, Globus, Rewe). Fahrradanzeigen halten sich dort oft ziemlich lange, weil Leute von den Dörfern ihre
Räder loswerden wollen. Sehr unterschiedliche Preise. (Das Semesterticket gilt auch für die Linie 16 nach Isserstedt- Globus, Vorbeischauen könnte sich lohnen.)
Kleinanzeigen in der Presse. Studenten lesen ja kaum Lokalzeitungen, aber den Flohmarkt in den Dienstagsausgaben von OTZ und TLZ könnte man
doch überfliegen. Oft gibt's Fahrräder von älteren Besitzern ohne Internet.
Radwerkstatt der Waldorfschule in Jena- Göschwitz. Den Tipp bekam ich im Web; telefonisch anfragen.
Soliladen Lichtenhainer Str. 6 (Nähe FH); Kauf oder Langzeitmiete von Fahrrädern.
19. Wer oder was ist die AG Radverkehr Jena?
Die Arbeitsgemeinschaft Radverkehr Jena (beim Stadtentwicklungsausschuss) ist ein offener Arbeitskreis aus
Vertretern der Stadtverwaltung, der Stadtratsfraktionen (nicht immer sind alle beteiligt) und
Vereinen/ Verbänden (ADFC und BUND; weitere verkehrspolitisch orientierte Verbände sind in Jena z.Z.
nicht aktiv). Die AG steht jedem interessierten Bürger zur Teilnahme offen und kann bei Bedarf Experten zu ihrer
Arbeit hinzu ziehen, z.B. Mitarbeiter von Planungsbüros, der Polizei, Nahverkehrsgesellschaft usw.
Die AG berät vor allem Stadtrat und -verwaltung zu Fragen des Fahrradverkehrs, bewertet städtische Verkehrsprojekte
aus Radfahrersicht (dazu nehmen wir Einsicht in die Bauunterlagen), regt von sich aus bestimmte Maßnahmen an (auch im
Ergebnis eigener Erhebungen und Beobachtungen), verwaltet ein Budget für Kleinmaßnahmen und betreibt Öffentlichkeitsarbeit (dazu zählt auch
die Behandlung von Eingaben, Vorschlägen und Kritiken). Die AG tagt meist alle 4 bis 8 Wochen, bei Bedarf gibt es
Lokaltermine. Sie besteht seit 1995 und arbeitet mit offiziellem Mandat des Stadtentwicklungsausschusses;
der Sprecher/ Moderator oder ein Vertreter nimmt an dessen Sitzungen teil. Die AG hat keine offizielle Geschäftsordnung und
versucht i.d.R. Konsens herzustellen. In Einzelfällen wird formell abgestimmt. Die Protokolle werden auf ihrer Webseite veröffentlicht.
20. Zeittafel zur Verkehrspolitik
Bestimmte Fakten lassen sich am besten einordnen, wenn man die historische Abfolge kennt. Mein Elefantengedächtnis
gibt da einiges her, ohne Anspruch auf Vollständigkeit und ganz exakte Jahreszahlen.
Bis Mitte der 60er Jahre des 20. Jh.: Das Fahrrad hat seinen angestammten Platz im Jenaer Verkehr, und die
meisten Orte in der Stadt sind vernünftig erreichbar.
Mitte bis Ende der 60er Jahre: Die Stadt wird zunehmend fahrradfeindlich. Die
gesamte Altstadt innerhalb des Grabenrings wird Fußgängerbereich; Kfz dürfen nur im Lieferverkehr
und zu zwei Großparkplätzen fahren, Radler müssen den Bereich durchschieben oder weiträumig
umfahren. Die Stadt wird mit Einbahnstraßen und Durchfahrverboten für alle Fahrzeugarten gespickt,
in der gesamten Oberaue ist Radfahren ebenfalls verboten. Die Gleichbehandlung von Auto- und Radverkehr
geht so weit, dass die autobahnähnliche Stadtrodaer Straße auch für Fahrräder freigegeben wird; diese bei
Renn- und Sportradlern geschätzte Regelung galt im Raum Lobeda/ Neu-Lobeda noch bis 2009.
In der übrigen Stadt werden die Fahrverbote durch die Polizei und deren freiwillige Helfer
radikal durchgesetzt. Mit "Erfolg": 1982 besteht das Jenaer Verkehrsaufkommen zu 81,5% aus Fußgängern, Bahn- und Busnutzern;
der Rest ist individueller Fahrverkehr, darunter Radverkehr mit kläglichen ca. 1,5%.
1986 – 1988: Der prozentual weiter sehr schwache Radverkehr hat, in absoluten Zahlen gesehen,
deutlich zugenommen, da auch das gesamte Verkehrsaufkommen gewachsen ist. Die Radler auf der Stadtrodaer
Straße werden in der Hauptverkehrszeit zum Hindernis besonders für den Busverkehr – die z.T. im
Minutentakt fahrenden Busse (1997 durch Straßenbahnen ersetzt) haben auf der stark belasteten
Schnellstraße Probleme mit dem Überholen. Die Stadt reagiert mit der Aufhebung der Radfahrverbote
in der Oberaue und baut den heutigen Saaleradweg von der Paradiesbrücke bis Lobeda-West aus, was
bis kurz nach der "Wende" dauert. (Dabei wird bewusst die billigste Bauweise mit minderwertigem Material
gewählt, was einige Jahre später zu starken Schäden führt.) Dieses Wegenetz wird sofort von vielen Radfahrern genutzt, obwohl
die Stadtrodaer Straße zunächst noch durchgehend befahren werden kann.
1990/91: Mit Einführung der D-Mark gibt es in der DDR endlich fortschrittliche
Gangschaltungen; die Jenaer "Berge" sind nun kein ernstliches Hindernis mehr für Radler. Deren Anteil
am Jenaer Stadtverkehr verdoppelt sich in kurzer Zeit. Die Umweltbewegung verhindert die Umwandlung
der Oberaue in Bauland und ist an der Erarbeitung des ersten Radverkehrskonzeptes beteiligt.
Dieses setzt auf Verkehrstrennung und Radwegebau; Maßnahmen zur Verkehrsorganisation kommen kaum vor.
Währenddem nehmen die Radfahrer unter kollektiver Missachtung aller Verkehrsverbote und -beschränkungen
die gesperrte Innenstadt in Besitz. Die Polizei versucht am Anfang einzugreifen, gibt dann aber frustriert auf; dieser
Zustand dauert bis Ende der 90er Jahre. Die Radler fliehen von den verstopften Straßen, wo sich
Autokolonnen im Schritttempo durch die Stadt quälen, auf die Gehwege und gefährden z.T. Fußgänger. Dadurch wird zeitweise eine sehr
fahrradfeindliche öffentliche Meinung erzeugt, die besonders durch den Vorsitzenden der FDP- Stadtratsfraktion
(der später die aktive Politik aufgab) angeheizt wird.
1993: Der Verkehrsentwicklungsplan geht bis 2010 von drastischer Abnahme des
Fußgängerverkehrs und starkem Zuwachs bei Rad- und Autoverkehr aus. Um die völlige Kontrolle über den
Verkehrsfluss zu bekommen, bestückt die Stadt viele, auch unbedeutende, Kreuzungen und Einmündungen mit
Ampeln. Forderungen von Grünen und Umweltverbänden nach Kreisverkehrsplätzen und Zebrastreifen statt
Ampeln weist die Stadt konsequent ab. (Später entsteht am Paradiesbahnhof doch ein Kreisverkehr, der sich
hervorragend bewährt.) Die Ampeln behindern oft den Verkehrsfluss mehr, als ihn zu fördern, und bremsen auch
Radler und Fußgänger ohne Notwendigkeit aus. Rotes Ampellicht wird durch diese Verkehrsteilnehmer dann
auch weitgehend ignoriert, da die Signalzeitpläne einiger Anlagen als Schikane betrachtet werden müssen.
1993 – 1997: Das Radverkehrsnetz auf der "grünen Wiese" Jenas wächst durch Wege an
Ausfallstraßen und neuen Straßenbahnstrecken. Zwischen Paradies und Ernst-Abbe- Siedlung wird
eine weitere straßenunabhängige Hauptverbindung in die Südstadt gebaut, gerät wegen des teuren Tunnels
unter der Saalebahn (mehrere Mio DM) aber in die Kritik. Die Nahverkehrsgesellschaft sieht den Radverkehr als bedrohliche
Konkurrenz zu Straßenbahn und Bus an und missachtet im Umfeld der neuen Straßenbahnstrecken stellenweise die Interessen der
Radfahrer, lässt dort andererseits aber etliche für Radverkehr bestens geeignete (Wartungs-)Wege bauen. Einige radlerfeindliche Baudetails werden
später noch geändert, bei anderen gibt es trotz Diskussion auf hoher Ebene (städtische Amtsleiter, JeNah-Vorstände) offenbar keinen Weg dahin. Der Widerspruch zwischen den fast perfekten Radfahrmöglichkeiten in den Grünzonen
und der vorsintflutlichen Verkehrsorganisation im bebauten Stadtgebiet verschärft sich. Die Stadt ist
nicht bereit, Einbahnstraßen in Gegenrichtung zu öffnen und Radverkehr innerhalb des Grabenrings
zuzulassen; im Stadtrat kommt es zu regelrechten Hetzkampagnen einzelner CDU- und FDP-Politiker
gegen die Radfahrer. Das führt dazu, dass spätere Verkehrsmaßnahmen zugunsten des Radverkehrs bewusst am Stadtrat vorbei
geplant werden. – Eine Verkehrszählung ergibt, dass der Hauptanteil des Radverkehrs
auf den offiziell für Radler gesperrten Straßen (z.B. Johannisstraße) stattfindet. Der ADFC weist immer wieder auf den
Widerspruch zwischen dem klaren öffentlichen Bekenntnis der Stadt zu umweltorientierter Verkehrspolitik
und der Ignorierung der Bedürfnisse des Radverkehrs im bebauten Stadtgebiet hin.
1998: Die Verkehrsbefragung ergibt eine Fast-Verdopplung des Radverkehrsanteils im Vergleich zu 1994,
wachsenden Fußgänger- und sinkenden Kfz-Anteil – letzteres im Widerspruch zur Prognose.
1998 – 2001: Die Stadt beschließt ein neues Radverkehrskonzept und beginnt zu experimentieren.
Mehrere Einbahnstraßen werden allgemein (auch für Kfz) aufgehoben, es folgen Tests mit einigen Radfahr- und
Angebotsstreifen, fakultativen Rad-/Gehwegen und unechten Einbahnstraßen, darunter durchaus gewagte
Entscheidungen (Neugasse). Auf den meisten Straßen innerhalb des Grabenrings ist Radfahren nun erlaubt,
z.T. mit zeitlicher Beschränkung. Die neuen Regelungen bewähren sich. Andererseits erfolgt mit Planung
und Bau einiger Bordsteinradwege (Fürstengraben, Winzerla) ein deutlicher Rückschritt.
ab 2002: Eine Große Anfrage der bündnisgrünen Stadtratsfraktion zum Radverkehr ergibt ein widersprüchliches
Meinungsbild der Stadtverwaltung (nachlesbar in diesem Webangebot unter "Verkehrspolitik"). Die Stadt
lässt den Verkehrsentwicklungsplan überarbeiten, wobei die Gutachter für einige Großprojekte – Tunnel,
Umgehungsstraßen – plädieren, die als überdimensioniert gelten müssen und bei den am Planungsprozess beteiligten
Bürgern auf Unverständnis stoßen. Der Planteil "Radverkehr" wird als Einzelprojekt an ein Thüringer Planungsbüro vergeben, das im Sommer 2003 ein relativ
vollständiges Radverkehrskonzept (das dritte seit der Wende) vorlegt. Einige Aussagen darin sind dennoch stark diskussionsbedürftig, andere mussten wegen der
unklaren Haltung des Stadtrats zum Thema bewusst unkonkret belassen werden.
Die Stadt beginnt sofort mit der Umsetzung, u.a. Einrichtung weiterer unechter Einbahnstraßen. Bordsteinradwege sollen zugunsten des
Radverkehrs auf der Fahrbahn in Zukunft nicht mehr gebaut werden (erstes Beispiel: Katharinenstraße).
Die seit 1995 bestehende AG Radverkehr beim Stadtentwicklungsausschuss ist als Expertenrunde anerkannt,
die praktisch beschlussreife Stadtratsvorlagen liefern kann. Baumaßnahmen sollen in Zukunft mehr
auf die touristischen Radrouten konzentriert werden.
2003: Die Verkehrsbefragung ergibt eine Steigerung des Radverkehrsanteils um fast 40% gegenüber 1998, womit Jena in
die Größenordnung einiger ostdeutscher Flachlandstädte vorstößt und z.B. Erfurt, Gera, Zwickau, Chemnitz z.T. weit hinter
sich lässt.
2004/2005: Widersprüchliche Entwicklung mit positiver Grundtendenz. Positiv zu erwähnen sind u.a. die Beleuchtung der straßenunabhängigen Radrouten in den Süden der
Stadt, der seit vielen Jahren angemahnte Lückenschluss der Mitte-Deutschland-Route am Gasthaus "Carl August",
das Grundgerüst einer innerstädtischen Wegweisung für Radtouristen, die von der Polizei veranlasste Öffnung der
gesamten Innenstadt für Radverkehr "rund um die Uhr", die Korrektur bestimmter Mängel (z.B. vergessene Bordabsenkungen)
auch an gerade erst erneuerten Straßen, die systematische Planung von nutzergerechten Radständern an städtischen Standorten
zur Verringerung der Fahrraddiebstähle. Das eigentlich wegen des Feinstaubproblems verfügte 30 km/h-Tempolimit auf Westbahnhofstr. und
Magdelstieg führt zu deutlich höherer Verkehrssicherheit ohne teure Baumaßnahmen. Der neu geführte Saaleradweg nach Norden wird wegen seiner
Lage gelobt, wegen der Ausführung als "Schotterpiste" aber kritisiert – fast alle Städte am Saaleradweg bauen neue
Wegabschnitte nur mit fester Oberfläche. Negativ: Die Stadt leistet sich stellenweise bei bisher problemlosen Dingen (z.B Wegweisung)
gravierende handwerkliche Fehler und korrigiert sie erst nach vielen Monaten.
Erheblicher Diskussionsaufwand wird für die Neugestaltung des Straßenzugs Steinweg – Camsdorfer Brücke – Karl-Liebknecht-Str.
getrieben, der so billig wie möglich ein zweites Straßenbahngleis erhalten soll; die frühere Vision einer autoarmen oder
-freien Straße wird von der Stadtverwaltung aufgegeben. Die AG Radverkehr erreicht statt erst geplanter Bordsteinradwege die Radverkehrsführung
auf der Fahrbahn; da die Stadt an der (nicht erweiterbaren) Kreuzung Steinweg/Eisenbahndamm aber den Vorrang der Straßenbahn und zusätzliche
Fahrmöglichkeiten für den Autoverkehr durchdrückt, werden die Sicherheitsvorteile des Radverkehrs auf der Fahrbahn z.T. wieder vertan. Die seit
über 10 Jahren vorliegenden ADFC-Forderungen zur Gestaltung der Kreuzung werden in vollem Umfang ignoriert. Die Stadt setzt damit ihre Philosophie,
bei Platzkonflikten zwischen Radverkehr und ÖPNV den Radverkehr zum Verlierer zu machen, wieder einmal fort.
2006 – 2007:
2008 – 2009:
Für die Bewerbung zur Landesgartenschau 2013 wird unter Leitung des neuen Stadtarchitekten Dr. Lerm ein Entwicklungskonzept für die Saaleaue (Titel "Saaleparadies") erarbeitet, das u.a. viele langjährige Probleme
des Radverkehrs mit einem Schlag lösen würde. Nachdem Jena nicht den Zuschlag für die Landesgartenschau bekommt, werden einige Maßnahmen daraus einzeln weiter verfolgt,
was leider zu fundamentalem Streit zwischen beteiligten Interessenvertretern (Verkehrsplaner, Naturschützer, Radfahrer, Landwirte) führt. Mit Ergebnissen ist vorerst kaum zu rechnen.
Ende 2008: Ausscheiden der langjährigen Amtsleiterin für Verkehrsplanung und Tiefbau aus der Stadtverwaltung; aus ADFC-Sicht eine gute Fachfrau,
aber bei der Öffentlichkeitsarbeit höchst umstritten. Auf ihr Konto gehen mehrere Drohungen, den ADFC nach der Veröffentlichung von sachlichen, aber kritischen Presseartikeln wegen
Verleumdung zu verklagen. Das juristisch klar geregelte Mittel der Gegendarstellung war ihr offenbar nicht geläufig. Die Stelle blieb danach ein Jahr unbesetzt.
Die Beutenbike-Studie (repräsentative Umfrage zum Verkehrsverhalten der Beschäftigten am Institutscampus Beutenberg) bestätigt vorhandene und ergibt auch neue Erkenntnisse.
Interessant (aber nicht überraschend) ist die Meinungsvielfalt zu ein und demselben Sachverhalt vor Ort, problematisch der Wunsch vieler (auch Rad fahrender) Befragter nach strikter Trennung von Rad- und Kfz-Verkehr, im
Widerspruch zu den Erkenntnissen der Unfallforschung. Die Umsetzung der Studienergebnisse bei der Verkehrsplanung erfordert damit kreatives Vorgehen.
Mitte 2009 hält das Ordnungsamt nach Konsultationen mit einem Automobilclub rund 10% der in Jena aufgestellten Verkehrszeichen für überflüssig. Die unmittelbar danach angekündigte Offensive zur Entfernung der
überflüssigen Schilder scheint aber zu versanden, ebenso wie eine vor Jahren vom damaligen Verkehrsplanungs- und Tiefbauamt angeregte Initiative zur Abschaltung überflüssiger Ampeln.
1. Kann man in dieser bergigen Landschaft überhaupt Rad fahren?
2. Welches Fahrrad?
3. Kann ich in Jena sicher Rad fahren?
4. Raddiebstahl, Fahrradcodierung
5. Mit dem Rennrad
6. Mountainbiken in/um Jena
7. Radfahren mit Kindern
8. Kann ich mein Rad in Jenaer Bahnen und Bussen mitnehmen?
9. Als Fernradler in Jena
10. Radtouren/-routen um Jena (allgemein)
11. Kartenmaterial, Routenplaner, Wegweisung
12. "Fahrradklima", Polizei, Autofahrer
13. Radverleih, Radvermietung
14. Gibt es eine Selbsthilfewerkstatt?
15. Radweg "Thüringer Städtekette", Radtour Weimar – Jena – Gera usw.
16. Woher bekomme ich eine Übersicht über die Radwanderwege im Saale-Holzland-Kreis?
17. Ich hätte gern Vorschläge für Radtouren um Jena.
18. Bezugsquellen für gebrauchte Fahrräder, "Studentenfahrräder"
19. Wer oder was ist die AG Radverkehr Jena?
20. Zeittafel zur Verkehrspolitik
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