Über uns – Vorstellung des Kreisverbandes

Der ADFC-Kreisverband Jena wurde am 30. Januar 1991 gegründet und vereinigt die ADFC-Mitglieder der kreisfreien Stadt Jena, des Saale-Holzland-Kreises und des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt. Er ist eine rechtlich nicht selbständige Gliederung des ADFC Thüringen e.V. Die Mitgliederzahl betrug im September 2016 175, davon 120 in Jena. Vorsitzende: Frau Dr. Barbara Albrethsen-Keck (seit 2013), stellvertretender Vorsitzender: Florian Reinhardt (seit 2014), Schatzmeister: Thomas Wedekind (seit 1991). Delegierte in den Radverkehrsbeirat der Stadt Jena sind Dr. Erik Heinz und Thomas Wedekind, Stellvertreter Frau Dr. Albrethsen-Keck und Florian Reinhardt. Frühere Vorsitzende waren Hartmut Zander (1991-1996), Henry Girlich (1996-2002), Thomas Wedekind (2002-2013).

Unsere Aktivitäten im Jahr 2016 können Sie hier nachlesen (PDF):
Bericht über die Kreisversammlung am 28. Oktober 2016

Zur Jenaer Verkehrspolitik in Bezug auf den Radverkehr hielt Thomas Wedekind zur Landesversammlung 2012 einen Vortrag (hier die Präsentation) – der ADFC wirkte für alle Veränderungen als "Katalysator".

Hier finden Sie auch einen Bericht über die Gründung des ADFC-KV Jena (PDF, 7 MB).

Zum 10jährigen Bestehen des Kreisverbandes 2001 schrieb Thomas Wedekind in der Vereinszeitschrift "Thüringer Pedalritter", Heft 1/2001:

10 Jahre ADFC Jena – ein Rück- und Ausblick

In diesen Wochen besteht der ADFC-Kreisverband Jena 10 Jahre. Erinnern wir uns: Einige Rad-Enthusiasten schlossen sich gleich nach dem Mauerfall dem ADFC an. Kontakte zum ADFC Erlangen (seit 1987 offizielle Jenaer Partnerstadt – wer weiß das heute noch?) und seinem Vorsitzenden Frank Wessel entstanden. Am 30. Januar 1991 wurde dann der KV Jena im brechend voll besetzten Gewölbekeller des Hauses auf der Mauer aus der Taufe gehoben. Öffentliche Anschubhilfe gab unter anderem der Aufenthalt der vom ADFC mitorganisierten BR-Radtour am 2.8.91, so viele Radler hatte Jena seit Jahrzehnten nicht gesehen. An diesem Tag, während einer improvisierten Besprechung mit ADFC-Touristik-Urgestein Thomas Froitzheim unter dem Hanfried, klopfte der ADFC übrigens die ersten Vorstellungen zur Saaleradweg-Führung in Jena fest.

Die "wilden Jahre" des KV Jena setzten sich fort mit mehreren Raddemonstrationen in der Stadt, teilnehmerstarken "Mobil ohne Auto"-Touren mit Stadtjugendpfarrer Lothar König und der JG Stadtmitte, Infoständen und Techniküberprüfungen. Diese Aktivitäten brachen leider 1994, nach dem Umzug des verdienstvollen Gründungsvorsitzenden und Lehrers Hartmut Zander, fast zusammen. Damit verlor der ADFC Jena auch weitgehend die Verbindung zum Jenaer Schulwesen, was spätere Projekte erschwerte.

1994 bis 1999 konnte der Kreisverband über den 2. Arbeitsmarkt insgesamt 6 hauptamtliche Mitarbeiter mit unterschiedlich erfolgreichen Projekten beschäftigen. Nach zwei erfolgreichen Veröffentlichungen – Broschüre "Jenaer Radeltouren" und Regionalkarte Jena/Mittleres Saaletal – scheiterte ein Radfahrerstadtplan an kommerziellen Erwägungen; eine Schrift zum Mountainbiking um Jena wurde nach erbittertem Widerstand der Stadtförsterei ad acta gelegt. Eine Tafelausstellung über fortschrittliche Radverkehrsförderung brachte nur mäßigen Zulauf, dagegen die gemeinsam mit dem Uni-StuRa betriebene Selbsthilfewerkstatt beachtliche Nutzerzahlen und Zusatzeinnahmen – leider ging diese nach Abflauen des Interesses im StuRa und Umzug des Grünen Hauses ein. Die Ergebnisse des Projektes "Sichere Schulwege per Rad" wurden den städtischen Verantwortlichen wie Sauerbier angeboten; außer dem ADFC interessierten die Probleme niemanden. Angebote, das ADFC-Fachwissen direkt in die städtische Radverkehrsplanung einzubringen, führten mehrmals zu offensiver Ablehnung in der Abteilung Verkehrsplanung. Als unmittelbare Reaktion entstanden dort jedoch eigene Radverkehrs-ABM.

Dieses Thema leitet zum verkehrspolitischen Engagement des Jenaer ADFC über, mit drei erkennbaren Perioden. In der Aufbruchstimmung 1990/91 zogen alle umweltorientierten Kräfte der Stadt an einem Strang. Noch wenige Baumaßnahmen für den Radverkehr, aber gute Qualität, ökologisch orientierte Stadtentwicklung als langfristiges Hauptziel. Das 1991 beschlossene Radverkehrskonzept war unvollständig, aber brauchbar. Nach Festigung der politischen Struktur und Aneignung des bundesdeutschen Rechtssystems durch Stadtrat und -verwaltung schlug diese Entwicklung zeitweise ins Gegenteil um, begünstigt durch unklare Stadtratsmehrheiten und offensichtliche Führungsschwäche in der Verwaltung. Dem ADFC blieb zwischen 1993 und '98, obwohl ständig um Dialog bemüht, meist nur die Rolle des bohrenden Kritikers, der die Verwaltung bei jedem Fehler erneut auf ihre Selbstverpflichtung zur umweltorientierten Stadtplanung hinwies. Leider verlor dabei der KV, seit 1994 unter neuer Leitung, einige engagierte Mitglieder; diese kamen mit dem Jenaer Politikstil nicht klar. Man kann heute natürlich trefflich streiten, was die Stadt in dieser Zeit der Grabenkämpfe "jeder gegen jeden" und der rasenden Änderungen in der Infrastruktur hätte besser machen können.

Nach dem ereignisarmen Jahr 1999 kam es 2000 zu einer Trendwende. Nach Wiedergründung der AG Radverkehr beim Stadtentwicklungsausschuss bekundeten die Stadtratsfraktionen ein deutlich höheres Interesse am Thema. Die überfällige Vereinigung der für Verkehrsfragen zuständigen Ämter war, nach kurzer Zeit erkennbar, für Weitergabe und Festigung des Radverkehrs-Fachwissens sinnvoll. Die verkehrspolitisch aktiven ADFCler können sich heute mehr als Ideengeber und im fachlichen Feinschliff denn als Kritiker engagieren. Die Wahrscheinlichkeit, einige zählebige Probleme lösen zu können, stieg erheblich.

Bleibt noch die Verbindung zum Umland zu erwähnen. Die in Naumburg ansässige AG Saaleradweg arbeitet leider relativ abgehoben von den lokalen Initiativen, der KV Jena nimmt nur sporadisch teil. Für gemeinsame touristische Arbeit mit der Kreisverwaltung in Eisenberg gab es mehrere Anläufe, aber wegen Personalproblemen beider Seiten keine Kontinuität. Vorbildlich dagegen die Zusammenarbeit mit dem Nachbar-Kreisverband Burgenlandkreis/Naumburg, die Radtouren mit Teilnehmern aus Merseburg, Leipzig, Naumburg und Jena sind schon legendär.

Der Leser mag in diesem Rückblick das eine oder andere Detail vermissen. Sicher ist aber: Der ADFC Jena kann mit Optimismus in das zweite Jahrzehnt seines Bestehens gehen.

© ADFC Jena; 2016-11-20